Planung und Ausführung des HGW-Schulgartens

Entwurf

(Planerin: Dipl.-Ing. Petra Kesselmark (FH) Mutter von zwei Kindern der 9. Klasse des HGW und Mitglied der Schulpflegschaft)

Schnappschüsse

Vorgeschichte

 Der Schulgarten des HGW ist ein ca. 630 m² großer Atriumgarten, der allseitig von Schulgebäuden (Lehrerzimmer und Pädagogisches Zentrum (PZ) des Hollenberg-Gymnasiums, Sekretariat und Klassenzimmer der Gemeinschaftshauptschule Waldbröl, Verbindungstrakt zwischen HGW und GHS) umgeben ist. Durch seine Lage bieten sich den Lehrern und Schülern beider Schulen somit vielerlei Perspektiven, aus denen man den Schulgarten einsehen und erleben kann. Der Schulgarten des HGW wurde in den 90er-Jahren aufgrund seiner Arten- und Biotopvielfalt als der artenreichste Schulgarten Nordrhein-Westfalens geführt. In den letzten Jahren war es jedoch für die Lehrerschaft im Fachbereich Biologie aufgrund einer Reduzierung der Stunden, die im Rahmen des Unterrichts für die Pflege des Gartens zur Verfügung gestellt wurden, nicht mehr möglich, die anfallenden umfangreichen Pflegeaufgaben zeitnah auszuführen. Der Garten verwilderte zusehends und war zuletzt als Schulgarten kaum mehr erkennbar. 

Das Konzept

Nach mehreren Gesprächen, an denen Vertreter des Schulträgers, der Schulleitung, der Lehrer- und Elternschaft sowie der Schüler teilnahmen, kristallisierte sich heraus, dass die bisherige pflegeintensive Biotopvielfalt (Teich, Orchideenbeet, Obstgarten, Rosengarten, Schattenbeet und Beete mit Magerstandort...) im künftigen Schulgarten nicht mehr möglich ist. Auf der Grundlage der Wünsche von Seiten aller Beteiligten wurden mehrere Entwürfe erarbeitet, von denen der oben abgebildete letztendlich favorisiert wurde und nun kurzfristig umgesetzt werden sollte. Der Entwurf sieht drei Hauptbereiche vor:  

  1. Zierpflanzenbeet: es ist vom PZ und dem Lehrerzimmer des HGW sehr gut einsehbar und erhält aufgrund der Verwendung unterschiedlicher Strauch-, Stauden- und Gräserarten einen großen Strukturreichtum. Bei der Auswahl der Pflanzen wurde besonders auf die verschiedenen Wuchsformen, Blattstrukturen, Blüten- und Blattfarben (abgestimmt auf die Farbgebung der umliegenden Gebäude) sowie die Blütezeiten geachtet, um ein ganzjährig ansprechendes Planzenensemble zu schaffen. Verschiedene Storchschnabel-Arten, China-schilfe, Spiräen, Sommerflieder, Fünfingersträucher, Hortensien, Deutzien und Hartriegel ermöglichen eine beständige Blütenfülle von März bis in den Spät-herbst. Darüber hinaus wurden u.a. immergrüne Pflanzen wie z. B. Bergenien, Purpurglöckchen, Seggen, Heckenmyrthen und Glanzmispeln verwendet, um auch im Winter Farbaspekte im Garten zu gewährleisten.
  2.  
  3. Freiraumklasse: auf Wunsch der Lehrer wurde eine Sitzecke mit fünf Bänken geschaffen, die zur Rasenfläche hin durch höhere Gräser sowie Sträucher (z.B. Sommerflieder, Spiräen) abgeschirmt wird.
  4.  
  5. Nutz- und Blumengarten: Dieser Teil des Schulgartens ist im Gegensatz zu den beiden anderen Bereichen, die aufgrund ihrer abgerundeten Formen die linearen Strukturen der angrenzenden Gebäude aufbrechen, streng geometrisch in vier Beete gegliedert, die mit Buchsbäumen eingefasst sind. Im Bereich der zwei Nutzbeete wurden drei Johannisbeer-Hochstämme und drei Säulen-Obstgehölze gepflanzt. Sie werden im Laufe dieses Frühjahrs von Schülern einer Schulgarten-AG unter Anleitung von Lehrern individuell mit Obst- und Gemüsepflanzen bestückt. Im Kräuter- und Sommerblumenbeet sind die Anlage zweier kleiner Kräuterspiralen sowie die Aussaat von einjährigen Sommerblumen geplant. Im Schattenbeet haben bereits die aus dem alten Schulgartenbestand „geretteten“ Schattenstauden eine Bleibe gefunden. Sie werden bei eventuellen Ausfällen nur ergänzt. 

Um eine kontinuierliche Fürsorge für die verschiedenen Pflanz-flächen zu gewährleisten, sind für die anfallenden Pflanz- und Pflegearbeiten Klassen-Paten-schaften angedacht und ein Pflegeplan erstellt worden.

Die Neugestaltung

 Im Jahr 2011 erfuhr das HGW durch Fördermaßnahmen des Konjunkturpaketes eine umfangreiche energetische Sanierung, unter anderem mit dem Bau einer 

Holzschnitzelanlage, die an das Gebäude des HGW angrenzt und künftig die Beheizung des gesamten Schulzentrums sicher stellen soll. Im Juli des Jahres 2011 wurde im Zuge der hierfür erforderlichen Bauarbeiten auch der an die Anlage angrenzende zugewucherte Schulgarten nahezu gesamt gerodet und der anstehende Boden ca. 80 - 100 cm tief abgegraben. Der Erdaushub war erforderlich, da der Schulgarten in früheren Jahren einmal in dieser Größenordnung angefüllt und das Erdreich, ohne das Anbringen von Schutzfolien, bis an die Hauswände herangeführt wurde und somit eine Vernässung der Wände drohte.

Nach dem Auskoffern wurden von der Tiefbaufirma die auf dem Gelände bei den Abgrabungsarbeiten gefundenen Findlinge um eine erhöhte Pflanzeninsel in der Mitte des Schulgartens, bestanden mit Zirbelkiefern, Vogelkirsche und Duftschneeball aus dem ehemaligen Schulgarten, als Sitzmauer gesetzt.

Im Anschluss daran konnten nun, mit Unterstützung von Seitn des Fördervereins des HGW, der die folgend aufgeführten Maßnahmen großzügig finanzierte, engagierte Eltern und Schüler Ende Juli 2011 die Randsteine für die Sitzecke und die Pflanzbeete vor dem PZ bzw. dem Lehrerzimmer setzen. Es wurden zudem die bereits vorhandenen Buchsbaumhecken im Bereich des geplanten Nutzgartens zurückgeschnitten sowie die Unterkonstruktionen für die künftigen Sitzbänke in der Sitzecke erstellt. 

Beim nächsten schweißtreibenden Arbeitseinsatz von Seiten der Lehrer-, Schüler- und Elternschaft Anfang September 2011 wurde vor dem PZ eine kleine Trockenmauer über einem unterirdischen Kellergang, der beim Auskoffern freigelegt wurde und ca. 30 cm über dem neuen Gartenterrain herausragte, angelegt. So konnte auch in diesem Bereich eine ausreichende Substrathöhe für die dort vorgesehenen Stauden- und Strauchpflanzungen geschaffen werden.

Mitte Oktober 2011 folgte im Bereich des Nutzgartens das Setzen der Randeinfassungen für die zwei Obst- und Gemüsebeete sowie für das Kräuter- und das Staudenbeet. Ende Oktober 2011 konnten in einer Gemeinschaftsaktion von Lehrern, Eltern und Schülern die Wegeflächen und die Sitzecke mit Frostschutzmaterial aufgefüllt und die Flächen mit einer dünnen Splittschicht abgedeckt werden. Zuletzt wurden die Obstgehölze, Stauden, Gräser und Sträucher gepflanzt, viele Blumenzwiebeln gesetzt und die Pflanzflächen mit Mulch angedeckt. Eine ortsansässige Tischlerei brachte kurze Zeit später noch die Bankauflagen der vielen Sitzmöglichkeiten im Schulgarten an, so dass nach der noch ausstehenden Raseneinsaat, die im Frühjahr dieses Jahres erfolgen soll, und dem Aufstellen einer Regentonne die Neugestaltung des Schulgartens voraussichtlich im April abge-schlossen werden. (weitere Bilder der Bauphase und Nachher-Bilder)

Aufgaben des Schulgartens

Trotz der reduzierten Arten- und Biotopvielfalt bietet unser Schulgarten in seiner Gesamtheit den Schülerinnen und Schülern, aber auch den Lehrern die Möglichkeit, Pflanzen und sich wieder ansiedelnde Tiere zu beobachten sowie sie im Rahmen des Unterrichts zu analysieren, ihre Arten zu bestimmen und eventuell auch Experimente mit Ihnen durchzuführen. Auch der Einfluss der Jahreszeiten auf Tiere und Pflanzen kann erforscht werden. Die Schülerinnen und Schüler lernen den pflegsamen Umgang mit der Pflanze vom Samen über den Keimling bis hin zur ausgewachsenen Pflanze, deren Früchte sie, nach eingehender Pflege, später ernten und genießen, ggf. sogar weiterverarbeiten können. Der Aufenthalt im Schulgarten fördert darüber hinaus eine bessere Kommunikation (nicht nur in der Sitzecke, die als Freiraumklasse angedacht ist) und die Kreativität der Nutzer. Der Schulgarten bietet somit eine Vielzahl an Möglichkeiten, die Biologie wirklich zu erleben und dadurch den Unterricht zu ergänzen.