19.05.2019 14:42

Beeindruckender Besuch am HGW

Kategorie: Aktuelles

Am 2. Mai besuchte der Holocaust-Überlebende Leon Weintraub (93) das Hollenberg-Gymnasium Waldbröl. Als Zeitzeuge hielt er vor den Schülerinnen und Schülern der Jahrgangsstufen 10 und 11 einen bewegenden Vortrag über sein Leben, um über die Gräueltaten der Nationalsozialisten aufzuklären und die Schülerinnen und Schüler dazu aufzufordern, ihre politischen Rechte und Pflichten wahrzunehmen. Zudem erhielten die Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, ihm persönliche Fragen zu stellen.

Zu Beginn des Vortrags erzählte Leon Weintraub, dass er als jüngstes Kind einer jüdischen Familie mit vier Schwestern im polnischen Lodz aufgewachsen sei. Nach dem deutschen Überfall auf Polen sei er mit seinen Schwestern und seiner Mutter (sein Vater starb kurz nach seiner Geburt) in das Ghetto Litzmannstadt gebracht worden, in dem er Zwangsarbeit geleistet habe. Im Jahr 1944 sei er aber mit seiner Familie aus dem Ghetto in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau deportiert und dort von seiner Familie getrennt worden. Doch dem sicheren Tod habe er entkommen können, indem er sich heimlich einem Gefangenentransport habe anschließen können. Dadurch sei er in die Konzentrationslager Groß-Rosen, Flossenbürg und Natzweiler-Struthof gelangt, bevor er während eines Marschs von den SS-Leuten fliehen und ein neues Leben habe beginnen können. So sei es ihm möglich gewesen, in Deutschland Medizin zu studieren und in einigen Kliniken in Polen zu arbeiten, bevor er wegen des sich steigernden Antisemitismus in Polen seine Anstellung verloren habe und daher mit seiner Familie nach Stockholm emigriert sei, wo er bis heute lebt.

Während des Vortrags, dem alle Schülerinnen und Schüler mit Ehrfurcht und großem Interesse lauschten, wurde deutlich, dass Leon Weintraub trotz seiner Erfahrungen und Erlebnisse keine Hass- oder Rachegefühle empfindet und diese Gefühle komplett aus seinem Leben verbannt hat. Besonders beeindruckend war vor allem sein Schlussstatement und sein Hinweis an die Schülerinnen und die Schüler, dass es keine Menschenrasse gebe und wir alle als Menschen leben und Menschen bleiben sollten.

Ein besonderer Dank gilt an dieser Stelle natürlich Leon Weintraub und seiner Frau für ihren Besuch sowie dem Förderverein des Hollenberg-Gymnasiums Waldbröl für die großzügige finanzielle Unterstützung der Veranstaltung!

(Fri)